Die Anreise oder wie komme ich ungewollt nach Keflavik (von Jochen Fischer)

Oli und Jochens Kanada-Urlaub vom 07.07. bis 25.07.2018

Samstag, 07.07.2018, 09:00 Uhr bis Sonntag, 03:00 Uhr Ortszeit New Brunswick

Witzeeze/Schwanheide – Frankfurt

Lea bringt Oli und mich, Anja und Alex zum Bahnhof in Schwanheide. Mit dem Regionalexpress um 08:57 Uhr zum Hamburger Hauptbahnhof. Die ersten Biere müssen schon dran glauben. Im Hauptbahnhof steigen wir so gekonnt in die S-Bahn zum Flughafen ein, dass wir nicht im Kornweg landen, sondern direkt am Airport. Alles geht glatt, Gepäck aufgeben, wir durch die Sicherheitskontrolle. Wir überbrücken die Wartezeit hauptsächlich im komfortablen Raucherbereich hinter den Sicherheitskontrollen. Es lässt sich dort bequem sitzen und dabei Hefeweizen trinken. Die Luft ist auch erträglich. Eine Griechin klagt über die Verspätung ihres Fluges in die Heimat, sie bekäme dort die Fähre zum Zielort nicht mehr. Naja, uns kann das ja nicht passieren, wir müssen ja nicht mit der Fähre fahren. Im Duty Free kaufen wir vier Stangen Zigaretten und vier Flaschen Fernet Branca. Mal schauen, wie lange der Fernet hält…

Der Flug nach Frankfurt klappt astrein.

 

Frankfurt – Keflavik – Halifax

Als ob bis dahin alles zu gut funktioniert hätte, erfahren wir in Frankfurt, dass unser Flieger nach Halifax zwei Stunden Verspätung hat. Wir überbrücken die Zeit – mit Rauchen und Trinken. Gibt ja Schlimmeres…

Schließlich werden wir mit dem Bus in ein kleines Flugzeug verbracht, d.h. ohne Fernseher und mit wenig Bewegungsfreiheit. Im Flieger entschuldigt sich der Pilot vielmals bei den Passagieren und bedankt sich wegen unserer Toleranz und unseres frohen Mutes. Wir erfahren, dass der ursprünglich vorgesehene Atlantikflieger auf Grund technischer Probleme nicht bereitgestellt werden konnte. Das kleine Flugzeug könne nicht ohne Tankstopp den Atlantik überqueren. Wir müssten daher auf Island eine Not-, äh, Zwischenlandung machen. Ich wollte schon immer mal nach Island, aber nicht so spontan. Es gibt also doch Schlimmeres…

Gute drei Stunden Flug nach Keflavik auf Island. Nur Steine unter uns, keine Bäume. Eine Straße, zwei Autos. Ein kleines Zelt. Der Landeanflug ist sehr wackelig, ich bin unsicher, ob wir das überleben. Wie zur Bestätigung startet der Pilot noch mal durch. Ein Gefühl der Erleichterung, nicht bei der Landung verunglückt zu sein, aber auch ein Gefühl der Ungewissheit, wie es nun weitergeht. Unsere Flugbegleiter hocken in ihren Sitzen mit grauen Gesichtern und erstarrtem Lächeln. Die Chefin der Crew teilt mit, dass der Pilot nach der Landung erklären wird, weshalb er durchstarten musste. Bis dahin hat er sich bestimmt was Gutes einfallen lassen, denke ich. Ich frage mich, ob der zweite Landeversuch denn klappt, und ob wir genügend Sprit haben, oder ob es das nun für uns war. Nach einer endlos erscheinenden Schleife setzen wir zur Landung an. Die Straße, das kleine Zelt. Diesmal klappt es. Puh, nochmal dem Sensenmann von der Schippe gesprungen. Der Pilot sagt etwas über Scherwinde usw.. Von mir aus, Hauptsache, wir kommen irgendwann und heil in Kanada an. Es gibt als noch Schlimmeres…

Für das Betanken erläutert uns die Crewchefin die Sicherheitsbestimmungen. Gurte öffnen, sitzen bleiben, kein Feuer entzünden, und unbedingt auf die Ansagen der Crew hören. Beim Tanken hat sich niemand im Flugzeug eine Zigarette angezündet, so dass wir nach ca. einer Stunde wieder starten konnten. Voraussichtlich 4 Stunden bis Halifax.

Nach ca. 1 ½ Stunden und Turbulenzen über Grönland fragt die Chefin, ob sich Ärzte, Krankenschwestern oder anderes medizinisch ausgebildetes Personal an Bord befänden. Ein älterer Herr hätte Problem mit seinem gebrochenen Arm und dem Kreislauf. Zwei Ärzte, ein noch jugendlicher Urologe und ein noch jüngerer anderer Arzt (Student?) kommen herbei, Alex geht auch nach vorne. Nach einer Diskussion zwischen den Ärzten, welches Recht denn in der Luft gelte, kümmern sie sich dann doch um den Patienten. Alex entfernt sich wieder, da der Zustand des alten Herren nicht dramatisch genug ist, um das Gerede der Ärzte zu ertragen. Die Mediziner schaffen es nach einer relativ langen Zeit, eine Infusion zur Stabilisierung des Kreislaufs zu legen.

Im weiteren Verlauf des Fluges sieht der Patient aber immer blasser im Gesicht aus, die Ärzte sehen ihn ab und zu an, unterhalten sich aber weiter angeregt über dies und das. Schließlich kommt eine erfahrene Krankenschwester herbei, schaut sich den Patienten an und stellt den gebrochenen Arm ruhig.

So wird uns auch ohne Bordfernsehen ein Unterhaltungsprogramm geboten. Oder hat sich die Crew dieses Schauspiel spontan einfallen lassen, um uns zu unterhalten? Neben dieser Geschichte war es auch sehr interessant, die Menschen zu beobachten, die vor den Toiletten warteten. War ganz schön was los da. Man hätte einen Artikel über das Verhalten von wartenden Menschen vor Flugzeugtoiletten verfassen können. Später vielleicht.

Halifax – Collicut Road 47

Schließlich Landeanflug auf Halifax in der Dunkelheit. Es klappt gleich beim ersten Versuch, der Pilot hat keine Lust auf weitere Sperenzchen und möchte Feierabend machen. Ca. 23:00 Uhr am Flughafen. Das Gepäck fand sich vollständig an, die Abfertigung durch Zoll/Polizei ging zügig. Schnell in den Raucherbereich und dann zum Autoverleih. Nach ca. einer Stunde Schlange stehen, können wir mit einem neuen Ford Explorer Richtung Turtle Rock losfahren.

Anja schafft es, uns sicher dorthin zu bringen. 280 Kilometer in der Dunkelheit mit einnickenden Fahrgästen, 2 ½ Stunden Fahrzeit. Nicht einfach, mitten in der Nacht, nach so einem Flug. Vielen Dank, Anja!

Ankunft am Haus gegen 03:00 Uhr Ortszeit, wie schön, endlich angekommen. Marion hat den Eingangsbereich geschmückt mit Fähnchen von Kanada, New Brunswick und der Regenbogenflagge (das freut Alex besonders). Den Kühlschrank befüllt und die Betten gemacht. Vielen Dank, Marion! Wir öffnen Bier und Fernet, trinken erst mal auf der Veranda einen auf die Anreise und die glückliche Ankunft. Mal schauen, was uns nach dem Aufstehen erwartet. Gegen 05:00 Uhr wird es hell, wir legen uns schlafen.

Autor: Jochen Fischer

Anmerkung: Danke für Deinen objektiven Bericht.

 

 

 

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